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© Heinrich Heidersberger, #4148_5 Kraftwerk der Volkswagen AG, Wolfsburg 1971

Kraftwerk

 

Nahezu perfekt und doch surreal zugleich gefriert das Wasser unter der massiven Brücke, die dezentriert beide Ufer verbindet. Leading Lines führen den Betrachter tief in das Bild ein, geleiten ihn in eine Welt aus Fabrikgebäuden und schneeweißem Dampf, die sich unter einem dunklen Himmel entfaltet. Und obwohl die Zeit in Heinrich Heidersbergers Fotografie „Kraftwerk der Volkswagen AG“ seit ihrer Entstehung (1971) für eine Ausstellung zur Olympiade in München (1972) stehengeblieben zu sein scheint, entwickelt sich ihre gesellschaftliche Bedeutung doch weiter. „Während das Bild zur Zeit seiner Entstehung für Aufbruch, Wirtschaftswunder und Stolz auf das Geleistete stand, kommen in späteren Jahren Ölpreiskrise, Umwelt und ‚Grenzen des Wachstums‘ hinzu. Es macht damit auch den Wandel Deutschlands sichtbar,” erklärt Benjamin Heidersberger, Geschäftsführer des Heidersberger Institutes.

Anlässlich des 50. Geburtstags der Fotografie feiert eine Reihe an Partnerinstitutionen mit der Veranstaltung „Kraftwerk von Heinrich Heidersberger – eine Bildikone wird 50“ das Vermächtnis des 2006 verstorbenen Fotografen. Beleuchtet wird das Werk dabei sowohl in einer Ausstellung des Kunstmuseums Wolfsburg und einer Erkundung der identitätsstiftenden Momente der Arbeiten des Kreativen durch die Städtische Galerie Wolfsburg als auch in durch das Institut Heiderberger organisierten Archiv-Führungen in seinem ehemaligen Atelier.

Mit dem Event zollt die Stadt Wolfsburg Heidersberger Tribut, der dort fast 45 Jahre lang lebte. Für ihn schien es das Ziel einer Reise zu sein, die ihn schon von Kindheitstagen an durch die Welt führte. Geboren wurde der Künstler 1906 in Ingolstadt, bevor er als Kind sowohl in Linz, Österreich, als auch in Dänemark lebte. Fotograf war er in seinen jungen Jahren noch nicht. Stattdessen studierte er Architektur in Graz und versuchte sich an der Malerei, bevor er Ende der 20er Jahre nach Paris zog und an der Académie Moderne studierte. Erst hier kreuzte sich sein Weg mit dem Medium der Fotografie und seiner surrealen Interpretation dieser. Durch die daraus folgenden Arbeiten – darunter auch jene für den Stern – lancierte er sich zu einem wichtigen Repräsentanten der modernen Fotografie.