Vitamin C

„Kennst du das Land, wo die Zitronen blüht“, so besingt die Schaustellerin Mignon in Johann Wolfgang von Goethes Roman Wilhelm Meister ihre Liebe zu Italien mit seinen Früchten, dem sanften Licht und den säulengetragenen Villen. Dieselbe Faszination für die Schönheit und Flora des Landes hegte bereits knapp 100 Jahre zuvor der Nürnberger Seiden­händler Johann Christoph Volkamer. Seine Studien über die Zitrusfrüchte, jene Exoten aus Asien, die in der Barockzeit nördlich der Alpen noch fast unbekannt waren, bündelte der Kaufmann 1708 in einem Buch mit dem Titel Nürnbergische Hesperides, Oder Gründliche Beschreibung Der Edlen Citronat- Citronen- und Pomerantzen-Früchte.

Für die Illustration seines Kompendiums fertigte ein ganzes Team an Kupferstechern handkolorierte Tafeln, und zwar so detailreich, dass sie zur Pflanzenklassifizierung dienten. Vor allem aber sind die surreal anmutenden Stiche, auf denen 170 (!) Zitrus­ sorten, darunter Orangen und Grapefruits, wie Himmelskörper über buko­lische Landschaften schweben, wahre Kunstwerke.

Die jetzt erschienene, hochwertige Reproduktion basiert auf einem Set aus dem Stadtarchiv Fürth, das zudem 56 neu entdeckte Tafeln enthält, die Volkamer ursprünglich in einem weiteren Band versammeln wollte. Ein Werk, aus dem einem Wärme, Duft und Frische des Mittelmeerraums förmlich entgegenströmen.

IRIS LAUTERBACH. J. C. VOLKAMER. DAS BUCH DER ZITRUSFRÜCHTE.
Deutsch, Englisch, Französisch, 384 Seiten

In Leinen gebunden, Hardcover, 125 Euro, TASCHEN, taschen.com

© J. C. VOLKAMER