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Finn Juhl Holzig, malzig, mit Rauchnoten

Weil er für das Dänemark der späten 1940er Jahre zu extravagant war, ging Finn Juhl’s Whisky Chair nie in Produktion. Heute ist die Zeit endlich reif für den edlen Sessel.

Ein Sessel für wohlhabende Spirituosenliebhaber im fortgeschrittenen Alter – ist so ein Möbel nicht ein Anachronismus? Tatsächlich eckte der Whisky Chair bereits 1948 an, als der junge dänische Designer Finn Juhl ihn auf der Schreinerausstellung in Kopenhagen präsentierte. Mit seinem faltbaren Messingtablett für ein Glas Hochprozentiges suggerierte er genussvollen Müßiggang und stand so gar nicht im Einklang mit dem damaligen dänischen Denken und Design. Denn das war grundlegend demokratisch und richtete sich nicht an reiche Eliten, sondern an die breite Masse.

Selbst Hans Henrik Sørensen, Mitbegründer von House of Finn Juhl, nennt den Whisky Chair zu seiner Zeit tendenziell politisch inkorrekt: »In gewisser Weise sagt der Sessel alles, was man über Finn Juhl wissen muss. Er entwarf frei, ohne viel über kommerzielle Aspekte nachzudenken. Seine Entwürfe waren zwar immer funktional, oft aber exklusiv und sicher nicht für jedermann erschwinglich.

Darum wurde der Whisky Chair zu Juhls Lebzeiten nie hergestellt, sondern blieb eine Randnotiz im sozialdemokratischen Dänemark der 40er-Jahre.« Jetzt aber hat er seinen Auftritt. Und spätestens nach dem ersten Schluck eines mit Torf geräucherten Single-Malt-Whiskys sind sein stattlicher Preis sowie jegliche Bedenken, unangenehm extravagant aufzufallen, vergessen.