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Home Story: Alles im Kasten

Francesca Venturoni komponiert Räume wie Bilder. Mit markanten Linien, ausgefallenen Formen und leuchtenden Farben. Ihre Inspiration: italienisches Design der 1960er-Jahre, die Memphis-Bewegung und immer wieder das eigene Bauchgefühl.

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Die Designerin mit ihrem Mann Dino Cicchetti und den beiden Söhnen auf Sofa Amalia (Natuzzi).

Geflieste Wände in der Sitzecke? Muss man mögen, wird der ein oder andere über Francesca Venturonis Wohnzimmer denken ohne zu ahnen, dass die schwarz-weißen Fliesen der Designerin Nathalie Du

Pasquier, die in den 1980er-Jahren Gründungsmitglied des Mailänder Mem- phis-Kollektivs war, sogar eine ganze Wand bedecken. Und dann noch eine metallene Fläche hinter dem Sofa? Gemütlich geht anders, oder? Venturoni, Interiordesignerin mit eigenem Studio in Mailand, muss angesichts dieser Skepsis schmunzeln: »Ich habe zuletzt in London gelebt und gearbeitet, von dort kam ich mit einem ausgefeilten Sinn für Details zurück. Hier in Mai- land habe ich mich designtechnisch wohl ein bisschen radikalisiert.«

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Doch die stilistische Zuspitzung steht ihr und ihrem Appartement, in dem sie mit ihrem Lebensgefährten Dino Cicchetti, Kreativdirektor des Design-studios Fabio Novembre, sowie den Söhnen Alessandro und Ludovico lebt. Denn Venturoni, die als Gestalterin zwar noch unter dem Radar segelt, deren Lebenslauf aber bereits einige große Namen wie Sir Norman Foster und Zaha Hadid schmücken, weiß, was sie tut: Dem grafischen Kastenmuster an der Wand etwa stellt sie geschwungene Formen gegenüber, eine puderrosa Chaiselongue, runde Beistelltische und den Korbsessel-Klassiker Foglia aus den 1960er-Jahren. Sie mag Kontraste und erhebt sie zum Stilmittel, gekonnt mixt sie organische Formen und starke Muster mit einer Prise Edginess und italienischer Eleganz.

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Die Küche mit ihrem schwarzen Halbbogen und dem weißen Schrankeinsatz plante die Hausherrin selbst – und zitiert damit das Memphis- Design der 1980er-Jahre.

Das Appartement zwischen der Porta Romana und der Fondazione Prada ließen sie und ihr Partner nahezu vollständig nach den eigenen Plänen renovieren. Die Tag und Nachtbereiche wurden formal durch Stahlpaneele getrennt, von denen einige als Türen fungieren. Hinter anderen, etwa in der Küche, verbirgt sich Stauraum. 

Auch hier treten Venturonis scharfes Auge, ihre Vorliebe für schöne Materialien und Gegensätze zutage: Die maßgefertigte Küchenzeile zeigt Memphis-Anklänge in Form eines schwarzen Bogens mit weißen Schrankeinsätzen. Enzo Maris edler Glastisch Frate steht im krassen Kontrast zu einer Betonsäule. Und die Bezüge auf Gianfranco Frattinis Palisanderstühlen bilden safrangelbe Leuchtzeichen.

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Auf Streife: Die Fliesen Margherita von Nathalie Du Pasquier (Mutina) zieren eine ganze Wohn­ zimmerwand und passen zum Teppich Segni Minimi 3 (cc­tapis) ebenso wie zu dem von Francesca Venturoni entworfenen Sideboard. Davor: Sessel Foglia (Bona­ cina 1889), Wachsbeton­Couchtische Olo (Mogg) und Stableuchte 265 von Paolo Rizzatto (Flos)
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Warum nicht Strandgelb zu Puderrosa und Silbermetallic?

Überhaupt ist Farbe eines der Lieblingsthemen von Francesca Venturoni. In Küche und Wohnzimmer spielte sie einen Sandton an die Wand, den Flur tauchte sie in Flamingopink, das Kinderzimmer in Nebelgrau. Und vor dem Bad, an der Unterseite der Treppe, steht in silbernen Lettern auf rosa Grund: »Amor vincit omnia« Liebe besiegt alles. Wenn sich also die Frage stellt, ob ein Ton an die Wand soll oder nicht, ist sie im Zweifel immer dafür und hat auch gleich ein passendes Zitat dazu von Bauhaus-Meister Johannes Itten parat: »Denken Sie daran, dass die Farbe ihre tiefsten Geheimnisse nur denjenigen offenbart, die sich ihr hingeben!« Die Mailänderin jedenfalls ist auf dem besten Wege, diese zu lüften.

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Auch im Master Bedroom regiert Rosa: Vor den kalkge- putzten Wänden das Bett Salisburgo (Perdormire), Punkteplaid (Lanerossi). Auf dem Beistelltisch Shuffle (&Tradition) die Reproduktion eines Selbstporträts des Schweizer Malers Félix Vallotton. Über dem Bett ein Werk von Clara Brasca (Galerie L’Affiche).
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Ein rosa Flur führt vom Wohn- und Essbereich zu den Schlaf- zimmern. Über der Tür zum Bad ein Zitat aus einem Vers des römi- schen Dichters Vergil: »Amor vincit omnia« – Liebe besiegt alles.
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Ein rosa Flur führt vom Wohn- und Essbereich zu den Schlaf- zimmern. Über der Tür zum Bad ein Zitat aus einem Vers des römi- schen Dichters Vergil: »Amor vincit omnia« – Liebe besiegt alles.

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