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Home Story: Barfußpalast

Sardinien (Italy)

Mit der Ferienvilla La Grintosa schuf Stefania Stera eine Hommage an die Felsen der Costa Smeralda. Das Gebäude am zerklüfteten Hang wurde zum eigenwilligen Kurvenstar – und zum 

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Futuristische Raumkapsel: Eine knapp fünf Meter hohe Glasschiebetür führt vom ­­ Felsenhang direkt ins Esszimmer. Das Kuppelgewölbe ­ verweist auf traditionelle ­ sar­ dische ­ Häuser.

Wer den Kopf in den Wolken hat, sieht die Erde nicht mehr«, ­ lautet ein italienisches Sprichwort. Stefania Stera spürte zum Glück schon als Kind eine tiefe Erdverbundenheit. Die Architektin wuchs auf dem Archipel La Maddalena zwischen Sardinien und Korsika auf, neben ihrem Studio in Paris führt sie dort bis heute ein Büro. »Als ich ein kleines Mädchen war, kletterte ich gerne über die sardischen Felsen«, erinnert sie sich. »Ihre Formen haben meine Fantasie immer wieder beflügelt.« Für ihre Auftraggeber hatte sie 2013 gerade ein großes Stadthaus in Paris fertiggestellt.

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Höhlenforschung: Aus der Tiefe des Wohnraums hinaus schweift der Blick über die ­ riesige überdachte Marmorterrasse und das asketisch ­ möblierte Esszimmer. Für den langen Tisch entwarf der Lichtkünstler Davide Groppi einen Lüster aus einem skulpturalen Wacholderstamm, den er unten am Strand fand.

Das neue Projekt auf Sardinien, nur ein paar Hundert Meter vom berühmten Hotel Cala di Volpe im Nordosten entfernt, sollte etwas ganz anderes sein: eine ins Gelände eingepasste Villa mit Costa-Smeralda-Blick auf einem rund 10 000 Quadratmeter großen, zerklüfteten Hanggrundstück an der Küste unkonventionell und mit maximalem Komfort für die Eigentümer und deren zahlreiche Gäste. »Die größte Herausforderung bestand darin, im felsigen Gelände zu bauen«, sagt die Architektin. »Irgendwie musste ich das Areal erobern. Ich wollte eine Einheit zwischen Felsen und Gebäude schaffen.« 

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»Ziel war es, ein Haus zu schaf- fen, dessen Größe den Ort nicht verändert, sondern ihn belebt«, sagt die Architektin Stefania Stera. Der Durchgang vom Esszimmer ins dicht bewachsene Gelände am nordöstlichen Zipfel Sardiniens wirkt dabei wie ein Tor zu einer anderen Welt.

Doch Stera verschmolz nicht nur Umfeld und Architektur. Mit den Höfen und Durchgängen sowie Galerien, Brücken und Terrassen auf mehreren Ebenen entstand eine promenade architecturale im Geiste Le Corbu-siers: Mit jedem Schritt durch die zwei Hauptstockwerke des Anwesens treten neue Blickwinkel und Raumgefühle in den Vordergrund.

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Inmitten der zerklüfteten Topografie macht sich die ver- winkelte Villa fast unsichtbar. Stefania Stera legte ein Netz aus labyrinthischen Wegen auf dem Hang an. Sie führen vorbei an Sonnenplateaus, künstlichen Wasser- becken und einem Garten bis zum Strand am Fuß der Klippen.
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Im Erdgeschoss sind vier Gästezimmer mit Bädern, die Küche und das Apartment des Hausmeisters untergebracht. Die obere Etage konzentriert sich auf Repräsentation: Das hallengroße Esszimmer mit Kuppelgewölbe ist über Metallstufen und eine gigantische Glasschiebetür in Form eines Segels vom Gelände aus erreichbar, von der überdachten Terrasse mit Meerblick daneben führt der Weg in die Tiefe des schmalen Wohnraums.

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Die raffinierten Schiebefenster erinnern an arabische Architekturelemente, die auch in sizilianischen Städten wie Palermo zu finden sind. Drumhe­ rum lässt eine Spiegelwand das Badezimmer doppelt so groß erscheinen. Ägäischer Marmor sowie hand­ gefertigte Waschtische veredeln das Interieur (Les Ateliers Lebon). Armaturen (Agape).

Die Suite der Eigentümer ist ein weitläufiges Ensemble offener und intimer Bereiche. Alle Zimmer der 750-Quadratmeter-Villa reflektieren die umliegende Landschaft, die Felsen und das Meer. Stera konzipierte den Grundriss so, dass einzelne Partien abtrennbar sind und auch im Winter bewohnbar bleiben: »Die Räume sind miteinander verflochten, gehen ineinander über. Ich habe sehr auf Kontinuität geachtet.« Die anthrazitfarbene Außenhaut wiederholt die Farbtöne des sardischen Granits. Die graue Fassade, der verschachtelte Grundriss und die schiere Größe der Villa brachten ihr schließlich den Namen La Grintosa ein, frei übersetzt »die Kühne, Düstere« und erinnern an brutalistische Referenzen wie Cini Boeris Sechzigerjahre-Ikone Casa Bunker auf La Maddalena. Stera ist sich der Wirkung bewusst, aber: »Das Haus wird sich verstecken, wenn die Pflanzen erst einmal richtig zu wachsen beginnen.« Wie ein auf dem Felsenhang ruhender Riese.

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Die skulptural geformten Felsen werden zum gestalterischen ­ Mittel der Villa. Stefania Steras Architektur mäandert über die Reliefformen der Landschaft. Weil das Haus teilweise auf den Felsformationen ruht, entstehen höhlenartige Durchgänge. Der Farbton der Mauer ist azur- blauen Pigmenten im Zement zu verdanken. Für die Arbeit ließ Stera Handwerker aus Venedig kommen, die sonst Kirchen und Denkmäler restaurieren.

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