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Bloß kein Chichi: Im Salon ­bekommt der Vintage-Leder­sessel Hunter des Norwegers Torbjørn Afdal Gesellschaft von einem Tisch des Künstlers Roger Capron aus den ­Siebzi­gern. Die schweren Ton­gefäße stammen aus der Region.

Home Story: Casa Azul

Alentejo (Portugal)

Eine karge, hitzeflirrende Landschaft ist nicht unbedingt der ideale Ort für ein »unkompliziertes« Ferienhaus. Doch da sich eine Gruppe Freunde genau das wünschte und Architekt Ricardo Bak Gordon Herausforderungen liebt, entstand die Casa Azul: ein Minimalismus-Wunder, das mit der Umgebung spielt und den heißen portugiesischen Sommer erholsam macht. 

Aussentreppe des Casa Azul
Wie gemalt: Die breite Treppe führt hinauf zur Terrasse der Casa Azul.
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Terrasse, Pool und ein Blick, der schwindelig macht: Die Fassade des Gebäudes besteht aus einer regional­- typischen Kalkfarbe, die so pigmentiert wurde, dass sie sich gut in die Land­schaft einfügt. Ganz bewusst ha- ben die Besitzer auf einen angelegten Garten ver­­zichtet – die wilde Weite ist das viel größere Schauspiel.

Bloß kein Chichi: Im Salon -bekommt der Vintage-Leder-sessel Hunter des Norwegers Torbjørn Afdal Gesellschaft von einem Tisch des Künstlers Roger Capron aus den Siebzigern. Die schweren Ton-gefäße stammen aus der Region.

Casa Azul – blaues Haus – heißt der Bau in den Weiten des Alentejo. Der Name allerdings verwirrt, denn im Gegensatz zur knallblauen Casa Azul in Mexiko-Stadt, in der Frida Kahlo lebte und die heute ein Museum über die Malerin beherbergt, ist ihre Namensvetterin in Por­tugal ockerrosa und so verwaschen wie der lehmige Boden rundherum.

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Entspannender als Kino: der Blick auf den Patio mit seinem grünen Wasserbecken vom gerundeten Flur aus.

Hier in der Serra de Grândola, eine Autostunde südlich von Lissabon, wächst außer einigen Korkeichen nicht viel. Gerade im Sommer fühlt sich der karge Landstrich an wie die afrikanische Savanne. Zirpende Grillen, sonst nur Stille. Würden vor den Fensterfronten der Villa ein paar Wasserbüffel vor­bei­trot­­­ten, man würde sich nicht wundern, zumal das Haus mit eigener ­»Wasserstel­le« ausgestattet ist, einem elliptischen Pool, der sich an die Terras­senwand schmiegt. 

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Marmor aus Estremoz schmückt Becken und Wand. »Wir wollten mit traditionellen Materialien ­arbeiten und haben mit Kork gedämmt«, so der Archi­tekt.

Mit weißem Marmor verkleidet setzt er sich vom rosa Kor­pus ab und spiegelt Sonnenreflexe im Bassin. Dieses magische Lichtspiel ist gewollt. Denn natürlich ging es dem Architekturbüro nicht wirklich darum, ein Stück Natur nachzubilden. Im Gegenteil: Das Ferienhaus, das vier befreun­deten Por­tugiesen gehört, die jeder ein Stück Land kauften und sich ein »entspanntes« Refugium darauf wünschten, ist eine Inszenierung, die kunstvoll mit der Umgebung spielt. »Uns gefiel die Idee, die Landschaft wie ein Gemäl­de einzu­rahmen«, sagt Ricardo Bak Gordon.

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Selbst der Hund passt sich farblich dem omnipräsenten Ockerton des Hauses an.
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Auf dem Sesselpaar Hunter lässt sich die Mittags­hit­ze entspannt überbrücken. Die Leuchte Daphine Terra designte Tommaso Cimini (Lumina). An der Wand ein Mosaik aus den 1970er-Jahren von Roger Capron.
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Auch der schlichte Kamin, der an kühlen Abenden zum Einsatz kommt, hält sich vornehm zurück

Effekte wie das königsblaue Ze­ment­schaf, das im wildwüchsigen Garten grast, oder Fensterhöhlen, die den Blick auf einen einzelnen Baum lenken, sind überall versteckt. Es macht Spaß, sich auf die Suche nach ihnen zu machen und in die Faszination einzu­tauchen, die dem Haus seit seinem Baujahr 2021 viel Aufmerksamkeit brachte.

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Die Regalwand der Wohnküche besteht aus Ziegelsteinen mit derselben Kalkmörtel-Oberfläche wie die Wände. Selbst wenn alle vier Freunde mit ihren Partnern gemeinsam Urlaub machen wollen, gibt es kein Platzproblem: Das Haus hat 370 Quadratmeter, der Esstisch zwölf Sitzplätze – die Stühle sind von Berenis, die Leuchte von Claus Bonderup und Torsten Thorup ist eine Reedition von 1968 (Gubi).

Doch die Casa Azul erzählt auch viel über das Klima vor Ort. Dicke Wände speichern die nächtliche Kühle, Luken lassen wenig Sonne herein. Größere Fensterfronten öffnen sich nur auf den Patio samt Wasserbecken. Der Salon, mit Vintage-Ledersofas und XL-Tongefäßen gewollt spärlich möbliert, verbindet den Speisesaal und einen Raum mit Blick auf den Sonnenuntergang. In den Schlafzimmern wiederum fühlt sich die Casa an wie eine dämmerige Höhle, die Schutz vor Hitze und Staub verspricht. Dazu trägt der terrakotta­farbene Mörtel bei, der Fassade und Innenräume bedeckt. 

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In das gemauerte Regal, auf dem ein Werk von Eduardo Chillida lehnt, ist ein Wasch­becken integriert. Die Leuchte aus den 1950er-Jahren stammt vom Rastro-Flohmarkt in Ma­drid, die Tagesdecke aus Leinen von lokalen Weberinnen aus dem Alentejo, die Bettwäsche von Zara Home.
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Charme durch Patina: Neben dem Bett macht sich ein antiker Bauernstuhl als Nachttisch nützlich.

Das restliche Inte­rieur ordnet sich klaglos dem Gesamteindruck unter, keines der Stücke hat Star­allüren, alle geben sich erdnah und unaufgeregt. Und dann gibt es noch die »Fresko«-Zimmer. Angelehnt an traditionelle portugiesische Bauten entwarf der Architekt zwei turmartige Räume mit glaslosen Fenstern und Holzmattendach, die die Fassade wie eine moderne Burg wirken lassen.

Hier essen die Freunde, wenn sie nach einem Strandtag in die Casa Azul zurückkehren. Denn neben den Schattenspielen des Pools gibt es noch einen Grund, weswegen das rosa Haus die Farbe Blau im Namen trägt: den nahen Atlantik. Die perfekte Lage für ein perfektes Sommerhaus.

 

bakgordon.com
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Einer der Ferien­gäste in einem der »Fresko«-Zimmer. Der Umhang ist von Lurdes Bergada.

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