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Ans Licht gebracht

Design muss Spaß machen, findet Claudi Skaff. In ihrem Haus in Chelsea feiern deshalb gewagte Formen und muntere Töne ein Familienfest. Um das Interieur zum Leuchten zu brigen, wagte sich die Dekorateurin an einen Großumbau. Jetzt badet es in Sonnenstrahlen, Kunst und Farbe.

Draußen Regen, drinnen Design: Wer bei Claudia Skaff zu Gast ist, lässt das englische Nieselgrau hinter sich. »London kann sehr dunkel sein, wenn man das mediterrane Licht gewöhnt ist«, bestätigt die geborene Libanesin und führt an einer mintgrünen Konsole und einem sonnengelben Kunstdruck im Entrée vorbei. Seit 2001 lebt die Interieurdesignerin in Großbritannien, nur an das Wetter wird sie sich wohl nie gewöhnen. In ihrem Haus in Chelsea steuert sie gegen Sturmtiefs und Morgennebel an, unerschrocken und stilorientiert. Skaff kannte die Adresse schon Jahre, bevor sie und ihr Mann Kristiaan Nieuwenburg zugriffen: »Ich dachte auf meinen Spaziergängen jedes Mal: Was für ein einzigartiges Juwel!« Sofort begannen sie zu renovieren. Erklärtes Ziel: mehr Licht, mehr Platz für sich und ihre drei Teenager und mehr Spielraum für die Designsammlung.

Mit ihrer Freundin und Geschäftspartnerin Michèle Chaya vom Beiruter Büro Mariagroup ersann Skaff ein umfangreiches Umbaukonzept. Das Team ließ den Boden ums Haus ausheben, um die Decke im Erdgeschoss zu erhöhen, und schuf darunter einen neuen Keller. Dazu musste der Rest des Gebäudes auf Stelzen und provisorische Fundamente gestellt werden: »Das Haus schien zu schweben, es war völlig vom Boden losgelöst.« Mit Tricks gelang es, jeden Sonnenstrahl nach Innen zu lenken: Zwei verspiegelte Schächte und Glaswände zum Innenhof schleusen so viel natürliches Licht wie möglich in die ebenerdige Küche. Über dem Esszimmer spannt sich einverglaster Wintergarten, so dass sie tagsüber nie die handgefertigte Pendelleuchte aus Japanpapier anzuknipsen braucht – eigentlich schade, denn: »Sie ist unglaublich«, sagt Skaff. »Sie leuchtet fast, als würde sie brennen.« Das Wohnzimmer schließlich kommt ohne Vorhänge aus, die tiefen Fenster sollen die Helligkeit ungefiltert hereinlassen.
Reminiszenzen an die Heimat Libanon und Gute-Laune-Farben
Überall brachte Skaff Referenzen an ihre libanesischen Wurzeln unter: Ein enormes Gemälde von Ayman Baalbaki schmückt die Wand über dem Samtsofa, die handgearbeiteten Zementfliesen in der Küche und auf der Terrasse stammen aus Beirut, ihr leuchtendes Rot macht der ganzen Familie schon zum Earl Grey am Morgen gute Laune: »Ich habe Farben und extravagante Formen schon immer gemocht und gehe ganz instinktiv mit ihnen um«, sagt Skaff und deutet, eine Etage höher, auf die rosa Wände im Schlafzimmer. »Es ist keine Wissenschaft oder etwas, das ich erklären oder lehren kann.« Muss sie auch nicht. Die Chaise Longue von Oscar Niemeyer, der sie den Logenplatz im Wohnzimmer zuteilte oder die Wandleuchten von Ingo Maurer über dem Kamin, die der tobenden Kunst in Rot und Gelb einen Hauch Natürlichkeit entgegensetzen – Claudia Skaff vertraut darauf, dass sich die Stücke ihrer Sammlung ganz von selbst ergänzen. Erhellt von skulpturalen Leuchten und von den seltenen Londoner Sonnenstrahlen.

 

Text: Tina Schneider-Rading und Ian Philips. Fotos: Stephan Julliard