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Im Rausch der Farben

 

Die Designerin Marie-Lise Féry, Gründerin des Labels Magic Circus Éditions, entwirft Leuchten, die vom Zirkus, Jahrmarkt und Cabaret inspiriert sind. Fröhliche Nuancen, außergewöhnliche Muster und Texturen prägen auch ihre Villa in Lyon, wo sie jeden Raum in eine eigene Farbstimmung tauchte.

Vielleicht muss man sich in der Gegenwart nur zwischen zwei Designrichtungen entscheiden: Less is more oder Too much is not enough, Minimalismus oder Opulenz. Für die französische Designerin Marie-Lise Féry war die Wahl offensichtlich klar. Die ehemalige Antiquitätenhändlerin entwirft seit 2015 Leuchten, die mit Reduktion nichts zu tun haben. Alle Objekte ihres Labels Magic Circus Éditions charakterisiert die Freude an Farben, Formen und Übertreibungen.

© Pierrick VernyDoch extravagante Leuchten allein reichten ihr nicht. Ihr neues Zuhause bot die Gelegenheit, ganze Räume im Geist von Zirkuszauber und Magie zu gestalten. Und dann, als wäre es ein Märchen, steht die Villa auch noch in Saint-Cyr-au-Mont-d’Or, übersetzt St. Cyriakus am Goldenen Berg, einem Städtchen in der Nähe von Lyon, Férys Arbeitsort. »Hier in Saint-Cyr zu wohnen, bedeutet, einen ruhigen Lebensstil zu haben und die Weite zu genießen. Es gibt Ebenen, Wälder und Weinberge«, freut sich die Designerin.

In der Villa bereiten vor allem die Wandfarben, ein Dutzend verschiedene Töne von Farrow & Ball, die Bühne für ein atmosphärisch reiches Lebensgefühl. »Farbe spricht Denken, Fühlen, Intuition und Empfindung an«, erläutert Marie-Lise Féry, »in meiner Arbeit wie auch im Leben liebe ich es, Emotionen hervorzurufen.« In ihrem Haus trifft deshalb abgrundtiefes Blau auf sanftes Strandhafer-Grün, pompejanisches Rot auf ein noch dunkleres Rot, dazu ein Rosaton, der aus Miami Beach stammen könnte. Vor der farbenfrohen Kulisse leuchten zitronengelbe Sessel, bunte Teppiche und abstrakte Kunst – willkommen in der fantastischen Welt der Marie-Lise. »Ich wollte, dass man auf jeder Etage eine verzauberte Ballade erlebt, wie in einem echten Märchen«, erklärt sie ihr Konzept, »ein Spaziergang, der zugleich geschmackvoll, spielerisch und wunderbar ist.«

Doch dafür bedurfte es auch einiger Helfer. Immerhin umfasst das Haus 750 Quadratmeter und stammt aus der Zeit um 1900. »Es war keine Liebe auf den ersten Blick, was den Stil betrifft«, sagt Marie-Lise Féry, »doch es liegt mitten im Grünen und das Licht ist wundervoll. Wir hatten das Gefühl, etwas Schönes daraus machen zu können.« Zunächst organisierte sie mit dem Architekten Francis Juillard die Grundrisse um und wählte mit Inneneinrichterin Claude Cartier die Möbel aus. »Sie hat ein Adlerauge. Ich liebe ihre Neugier, ihr Know-how. Ihre Sensibilität im Design ist außergewöhnlich!«, schwärmt die Hausherrin. Und dann kam noch Annie © Pierrick VernyDuchesne ins Team, eine Farbberaterin von Farrow & Ball. »Mit der Firma arbeiten wir bei all unseren Foto- und Dekorationsprojekten zusammen, weil sie einen handwerklichen Ansatz verfolgt und traditionell gebrochene Farben liefert.« In den meisten Räumen wurden matte Töne namens Estate Emulsion verwendet, ein kreidiger Look mit einem Glanzgrad von nur zwei Prozent, der das Licht diffus in den Raum reflektiert.

Blau, Grau und Grün dominieren in der Küche, im nach Westen ausgerichteten Entree wärmere Rottöne als Antwort auf das Licht der untergehenden Sonne. »Wenn ich auf meinen Job als Designerin zurückkomme«, reflektiert Féry, »ist Farbe in meiner Arbeit heute viel präsenter als früher. Sie ermöglicht es mir, eine intensivere, prägnantere Sprache zu entwickeln, sowohl bei meinen Kreationen als auch bei den Sets, in denen ich sie inszeniere. Wie meine Freundin Annie Duchesne sagen würde: Farbe ist Leben!«