Mit „LIFELINES“ zeigt die Hamburger Galerie Daniel und die Kunst neue Arbeiten der Malerin Anna van den Hövel. Zwischen Gestein, Erde und vielschichtigen Oberflächen entstehen abstrakte Landschaften, in denen sich geologische Kräfte und persönliche Erinnerungen überlagern.
Gebrochene Linien, aufgeworfene Strukturen, Schichten, die sich gegeneinander verschieben: Die Malerei von Anna van den Hövel ist in Bewegung. Ihre Bilder erinnern an zerklüftete Gebirge, verwitterte Küsten und Gesteinsformationen, die über Jahrtausende von äußeren Kräften geformt wurden. Doch was auf den ersten Blick wie eine Erkundung der Natur erscheint, erzählt zugleich von den Spuren, die Orte, Begegnungen und Erfahrungen im Leben hinterlassen. Mit „LIFELINES“ widmet sich die deutsche Künstlerin genau diesen sichtbaren und unsichtbaren Bruchlinien.

Ausgangspunkt ihrer Arbeiten sind nicht allein Farbe und Leinwand. Auf Reisen sammelt van den Hövel Fragmente der Landschaft: Vulkangestein, Erde und Staub, ergänzt durch Materialien wie Kohle, wiederverwendeten Lack und Mörtel. In ihren Gemälden treffen diese Bestandteile aufeinander, bilden neue Schichten, brechen auf oder scheinen beinahe versiegelt. Die Materialität wird dabei selbst zur Erzählung. Jede Oberfläche bewahrt Spuren ihrer Entstehung, jede Vertiefung eröffnet einen neuen Raum.

Geboren 1996, ist van den Hövel zwischen München, den österreichischen Alpen und der Küste Menorcas aufgewachsen. Die unterschiedlichen Landschaften und Kulturen, die sie seither auf ihren Reisen erlebt hat, prägen ihre künstlerische Perspektive. Luftbildaufnahmen dienen ihr als visuelles Ausgangsmaterial, das sie in einem prozessorientierten Arbeitsprozess zunehmend abstrahiert. Es entstehen keine naturgetreuen Abbilder, sondern eigenständige Kompositionen aus Licht, Farbe und Textur. Äußere Eindrücke und innere Erfahrungen lassen sich darin kaum voneinander trennen.

Der Titel „LIFELINES“ verweist auf geologische Verwerfungen, an denen Kräfte aufeinandertreffen und Landschaften ihre Form verändern. Zugleich stehen die Linien für Einschnitte, Übergänge und Wendepunkte im Leben. In van den Hövels Arbeiten ist der Bruch deshalb nicht allein eine Spur der Verletzung, sondern auch Ausgangspunkt für etwas Neues.