In einer großen Ausstellung in Grand-Hornu (Belgien) versammelt Patricia Urquiola ihre Flut von Ideen und Materialexperimenten. Was sie eint? Der Anspruch verantwortungsvoller Gestaltung.
Seit einem Vierteljahrhundert entwirft die Spanierin Patricia Urquiola auffällige und bunte Dinge in Italien. Rund hundert Angestellte sind in ihrer Mailänder Ideenmanufaktur damit beschäftigt, den ständigen Strom an origineller Schönheit, den sich die temperamentvolle Chefin ausdenkt, in Vorlagen für die namhaftesten Hersteller von Designprodukten umzusetzen. Von der Vase bis zur Architektur reicht ihre Bandbreite – und nichts davon ist konventionell. Dabei spielt die Arbeit mit Materialien in ihrem Studio eine besondere Rolle, speziell unter zwei Aspekten: Experiment und Verantwortlichkeit.

auffiel, die grell aus dem beigen Mainstream hervorstachen, stammt
die in Millionen Farben schillernde Möbellinie Shimmer. Je nach Standpunkt
zeigen die Glasplatten verschiedene Farbspektren (Glas Italia). © © CASSINA, GLAS ITALIA.
Die von ihr kuratierte Ausstellung Meta-morphosa wird am Sitz des CID, einem Zentrum für Innovation und Design, im spektakulären Industriedenkmal Grand-Hornu in der Nähe des belgischen Städtchens Mons gezeigt. Eindrucksvoll wird hier Urquiolas Herangehensweise mit Kreationen aus der jüngsten Vergangenheit demonstriert.

Sie probiert neue Verfahren der Porzellanherstellung aus, indem sie Schwämme und organische Materialien einbringt und wieder ausbrennt, wodurch bizarre Ausstülpungen entstehen. Oder sie entwickelt Verfahren, Möbel aus Abfallprodukten herzustellen, was den Objekten jedoch nie anzusehen ist.

jedes Stück einzeln in der berühmten italienischen Manufaktur Bitossi. © BITOSSI.
Ihr Blick über den Design-Tellerrand führt zum Erfolg
Ideen der Kreislaufwirtschaft, also der Rückführung aller Materialien in die Wiederverwertbarkeit, sind ebenso grundsätzlicher Teil ihrer Entwürfe wie das Entwickeln handwerklich geprägter Produkte. Das macht nicht nur jedes Stück zu einem Unikat, sondern fördert auch Arbeit, die mit Würde getan wird.

Dass sich Urquiola nebenbei mit geistesgeschichtlichen Themen beschäftigt, von französischen Strukturalisten bis zur mittelalterlichen Alchemie, ist den stilistisch vielfältigen Produkten zwar nicht anzusehen, erklärt aber deren besondere Aura – und letztlich auch deren Erfolg.

der Branche. Heute deckt sie mit ihrem umfangreichen Team alle Dimensionen des Designs ab – ob Möbel, Stoffe oder Hotel- und Jachtprojekte.© CC-TAPIS.
Aus dieser weitschweifenden Inspiration entstehen dann die Metamorphosen von Materialien in Objekte, die dem Wohnalltag eine schillernde Chemie verleihen.