„Watches and Wonders“ in Genf ist die Leistungsschau der Luxus-Uhren. Hier zeigen die besten Zeitmesser der Welt ihre Neuheiten und besonderen Stücke.
Einem präzise ausgewählten Kreis aus Händlern, Sammlern, Journalisten und Herstellern wird Anfang April Zugang zu den Hallen am Genfer Flughafen gewährt. Die Uhrenmanufakturen takten ihre Termine in exakt abgestimmten Rhythmen mit den Fachbesuchern, die sich wiederum alle um die wichtigen Messepaläste drängeln, um dort vorgelassen zu werden. Wer keinen Termin hat, wird von der Security nicht hereingelassen. Die härtesten Türen haben auch in diesem Jahr die Traditionshäuser: Patek Philippe, Rolex, Jaeger-Le Coultre, Chopard. Dazu versammeln sich die zeitliebenden Schmuckliebhaber um die die gut geschützten Tempel von Cartier, Hermès, Chanel und Van Cleef & Arpels.
Vor allem für die französische Luxusmarke Hermès ist die Platzierung in der Halle eine Herausforderung. Neben ihrem Stand tobt das Leben von IWC, traditionell etwas lauter in der Kommunikation. Für die Schweizer steht in diesem Jahr alles im Zeichen der Formel 1. Wie auf einem Filmset haben sie einen Formel1-Boliden und ein gigantisches Kameraset so positioniert, dass man nicht anders kann, als wahrzunehmen: Die Schweizer haben den neuen Film mit Brad Pitt gesponsert, der im Sommer in die Kinos kommt. Und das wohl nicht zu knapp. Bei TAG HEUER aus dem Hause LVMH setzt man seit vielen Jahren auf Rennsport. Und das schon seit den Tagen, als Filmikone Steve McQueen in Le Mans noch hinterm Steuer saß. Diesmal feiern sie ihr Comeback als Zeitnehmer (als Nachfolger von Rolex) der Rennserie aus vollen Rohren. Neben dem fast antik anmutenden Rennauto von Ayrton Senna steht der Dienstwagen von Weltmeister Max Verstappen (Red Bull).


Auf dem Stand geht es zu wie in der berühmten Pit Lane an der Strecke. Bei Champagner und grellem Licht werden Uhren mit Speedfaktor präsentiert. Wer Ruhe sucht, braucht aber nur 30 Meter weiterzugehen. Bei Van Cleef & Arpels taucht der Gast in eine Florale Traumwelt ein, die unglaublich verzückend ist. Dazu zeigen die Pariser (aus dem Hause Richemont) viele Einzelstücke ihrer Haute Joaillerie-Kreationen, die auf die asiatischen Besucher wie ein Magnet wirken.

So ähnlich geht es auch bei Cartier zu. Dort steht das Uhrwerk traditionell nicht im Mittelpunkt, sondern die Magie des Kunsthandwerks. Die meisten Stücke, die gut geschützt hinter dickem Glas ruhen, sind schon verkauft. Meist an Sammler, die für limitierte Stücke bereit sind, Millionen auszugeben. Aber über Preise und die Anzahl der Limitierungen spricht man hier grundsätzlich nicht gern. Viele Uhren sieht man nur hier. Oft verschwinden sie danach in Tresoren oder privaten Uhrenschränken. Es ist ein Jammer.

Bei Chanel leuchtet in dieser Saison alles in einem tiefen Blau. Die Serie „J12“, mal recht schlicht mit sportlichen Armbändern, bis zu einer transparenten und mit Edelsteinen besetzten Version (für über 600.000 €), ist alles der blue hour gewidmet. Eine elegante Umarmung der luxuriösesten Zeit des Tages.


Bei Patek Philippe, einem der drei Stammhäuser der Uhrmacherei, staunen die Besucherinnen und Besucher über die immer höher liegende Messlatte des Handwerks. Hier verschmilzt die Zeit mit Kunst in Vollendung. Einem kleinen Kreis von Sammlern und Berichterstattern werden in Genf noch Tischuhren vorgeführt, die in über einem Jahr Bauzeit und Tausenden Einzelschritten und Bauteilen entstanden sind. Mehr Hingabe, mehr Tradition geht nicht.
