Masterworks heißt ein Programm von Juwelier Bucherer, in dem die Spitzenleistungen der Uhrmacherkunst gezeigt werden. Dabei bekommen auch Exoten ihren Bühnenauftritt
Olivier Gantenbein hat einen der vermutlich schönsten Berufe der Uhrenwelt: Er ist bei Bucherer Chef eines Programms für Liebhaber besonderer Zeitnehmer. Bei dem weltweit agierenden Juwelier klingt das natürlich viel schicker, nennt sich »Global Associate Director Haute Horlogerie« und bezeichnet wiederum eine nicht scharf abzugrenzende Spezifikation des Uhrmacherhandwerks.
Im Prinzip ist es aber wie in der Mode. Dort gibt es die Prêt-à-porter, also die Mode zum Tragen. Und es gibt die Haute Couture, die »gehobene Schneiderei«.

Die Uhrmacherkunst ist wohl die komplexeste aller Kunstarten. Sie setzt vollendetes Handwerk voraus und bewegt sich auf engstem Raum. Ständiger Begleiter des Uhrmachers ist die Lupe. Schon seit dem 15. Jahrhundert tüfteln Mathematiker, Ingenieure, Astronomen und Goldschmiede an immer neuen »Komplikationen« und mechanischen Werken, um der perfekten Uhr zunehmend näher zu kommen.

Dabei ist Präzision in der Zeitnahme nur ein Teil ihres Strebens. In der Haute Horlogerie geht es um Einzigartigkeit in ihrer künstlerisch vollendeten Form. Natürlich kann man sagen: Eine Quarzuhr zeigt die Zeit an, lässt sich bequem am Handgelenk tragen und ist wartungsfrei. Das könnte man aber auch über Poster im Verhältnis zur Malerei oder Fotokunst sagen. Poster sind günstig, hängen an Wänden und schaffen eine wohnliche Atmosphäre. Was braucht es da einen Jackson Pollock oder Daniel Richter? Poster werden jedoch nur selten vererbt.
Kuratiert wird nach Themen
Olivier Gantenbein ist selbst Uhrmacher und arbeitete nach seiner Ausbildung 2014 an »Ewigen Kalendern«, einer der großen Herausforderungen seines Handwerks. Heute betreut er die besonderen Stücke unterschiedlicher Hersteller für das Programm Masterworks von Bucherer. Wer es in seine Kollektion schafft, muss verschiedene Kriterien erfüllen.
»Wir kuratieren Masterworks nicht nur nach Marken, sondern auch nach inhaltlichen Themen«, sagt er. »Vier Säulen bilden dabei die Basis: Tourbillons, die der Erdanziehung trotzen, Ewige Kalender, skelettierte Modelle und unabhängige Marken. Jede Kategorie erhält ihre eigene Bühne. So geht es etwa beim Ewigen Kalender um mechanische Komplexität und eine poetische Beziehung zur Zeit. Oder bei Openworked-Uhren geht es um Transparenz, welche die Feinarbeit an Zahnrädern und Hebeln sichtbar macht. Indem wir diese Themen hervorheben, laden wir unsere Kunden dazu ein, nicht nur die Schönheit zu bewundern, sondern auch die Brillanz dahinter zu verstehen.«
Dafür unterhält Bucherer in Deutschland, Österreich, der Schweiz, in Großbritannien und den USA Geschäfte mit eigenen Flächen, die allein der Meisterklasse, den Masterworks, vorbehalten sind. Uhrenenthusiasten sowie all jene, die noch herausfinden möchten, ob sie zu ihnen gehören, können außerdem zu besonderen Events eingeladen werden.
Olivier Gantenbein tourt mit einer immer wieder neu zusammengestellten Schatzkammer seltener Uhren und Einzelstücke zu ausgewählten Flagship-Boutiquen und versucht, Interessierten die Magie seiner Kollektion zu vermitteln.
Eine Bühne für junge Manufakturen
Sammler und Einsteiger sollen dabei gleichermaßen auf ihre Kosten kommen und haben die Gelegenheit, Uhren von Marken wie Blancpain, H. Moser & Cie., Jaeger-LeCoultre, Piaget, Ulysse Nardin, Vacheron Constantin und Roger Dubuis live zu sehen.


Aber auch Nischenmanufakturen wie Hautlence, Biver und Ressence sind hier vertreten. Für sie scheint Gantenbein ein besonderes Faible zu haben. Gerade den kleineren und jüngeren Uhrenmanufakturen gilt seine besondere Aufmerksamkeit. Ihnen möchte er neben den Schwergewichten wie Jaeger-LeCoultre und Girard-Perregaux eine Bühne bieten.


Die Exoten brächten »frischen Wind« in die traditionelle Uhrmacherei. Manche dieser Firmen existieren erst seit knapp zwanzig Jahren. »Sie fordern Gewohntes heraus, bleiben dabei aber handwerklich exzellent«, sagt Gantenbein.
Am Ende ist es vielleicht ähnlich wie bei einem Besuch in einer Kunstgalerie: Man wird nicht alles mögen und man muss sich auch nicht alles leisten können, aber man begreift die handwerkliche Großartigkeit sowie die Suche nach Poesie der Schöpferinnen und Schöpfer dieser Miniaturwunderwerke.