Jeanne & The Forest: Zu Besuch bei der Baronin

Vor mehr als 100 Jahren ließ Jeanne de Rothschild ein Château im malerischen Chantilly nahe Paris erbauen – jetzt öffnete es als Schlosshotel Jeanne & The Forest: ein Rückzug mit Office-Option.

Abseits der lebhaften Straßen von Chantilly, bekannt für seine ­Pferderennen, Spitzenklöppelei und die nach dem Ort benannte Schlagsahne, liegt das ­Château Jeanne & The Forest in der grünen Idylle von Gouvieux.

Zwischen Wäldern und Wiesen erhebt sich das Anwesen wie ein stiller Beobachter der Zeit. Baronin Jeanne de Rothschild, eine Nachfahrin der berühmten Bankiersfamilie, ließ das Château de Montvillargenne Anfang des 20. Jahrhunderts als persönlichen Rückzugsort errichten und gestaltete es mit dem Blick einer Kennerin von Architektur und Landschaft.

JeanneTheForest©RomainRicard 83
Reminiszenz an die Vergangenheit: Mit antiken Möbeln, schweren Teppichen und goldgerahmten Gemälden, die den Wald von Chantilly vor der Tür widerspiegeln, ist jeder Raum im klassischen Geist des Schlosses bis ins Detail kuratiert. © Romain Ricard.
JeanneTheForest©RomainRicard 93
Cooler Kontrast zur ­ Barockpracht des ­ Schlosses: Der Health Club befindet sich in einem Nebengebäude im brutalistischen Stil aus den 1970er-Jahren. © Romain Ricard.

Ihre Liebe zur Natur und Biologie spiegelte sich in den Gärten wider: Gewächshäuser, Rosenanlagen und eine Orangerie fügten sich zu einem Ensemble im italienischen Stil. Die freigeistige Adlige inspirierte die Transformation des historischen Komplexes in ein Luxusdomizil, das sich auch als »Workation«-Adresse ­etablieren soll.

»Gäste sind eingeladen, sich hier mit dem gleichen Gefühl wie Jeanne frei zu bewegen und mühelos zwischen Business und Freizeit zu wechseln«, erklärt Innenarchitektin Chantal Peyrat, die das Schloss im Auftrag der exklusiven Gruppe 369° Hôtels-Maisons umgestaltet hat – mit »No Work«-Räumen im rustikalen Charme und minimalistischen »Pro Work«-Zimmern, je nach Intention des Aufenthalts.

JeanneTheForest©RomainRicard 89
Die Badezimmer hat Innen­architektin Chantal Peyrat mit schwarz-weißen Streifen im Stil des Art déco ausgestattet. © Romain Ricard.
JeanneTheForest©RomainRicard 101
Die 119 Zim- mer (zwischen 18 und 60 Quadratmetern groß) sind von den Pflanzen- und Tiermotiven der Belle Époque inspiriert. Es gibt 39 im industriellen Stil gestaltete »Pro Work«-Zimmer, welche über einen privaten Ar- beitsbereich verfügen. © Romain Ricard.

Letztere befinden sich im modernen Flügel des sechs Hektar großen Geländes, einem ehemaligen Werkstatt- und Schulungszentrum für Handwerker.

Das Schloss hat viele Leben hinter sich und wurde in verschiedenen ­Epochen von seinen jeweiligen Eigentümern erweitert. »Unsere größte Herausforderung bestand nicht darin, diese Schichten zu beseitigen, sondern sie miteinander in Dialog zu bringen«, so Peyrat, die die Eleganz der Belle Époque mit zeitgenössischer Ästhetik kombinierte.

Jeanne & The Forest
Entree in eine Sym­phonie der Stile: Anfang des 20. Jahrhunderts entwarf Léon-Maurice Chatenay für Madame Rothschild das Château de Montvillargenne, in dem neonormannische, britische und französische Einflüsse aufeinandertreffen. © Romain Ricard.

Viele der ursprünglichen Dekorationen wie Zierleisten, Kamine und Parkettböden wurden restauriert und durch spielerisch-poetische Interventionen sanft in die Gegenwart überführt. So entstand ein Ort, an dem Arbeit und Savoir-vivre harmonisch zusammenfinden – ganz im Sinn seiner einstigen Schlossherrin.

Jeanne & The Forest, DZ ab ca. 180 Euro.
jeanneandtheforest.com