Lève Office Bar: Fabio Fantolino interpretiert das Büro als urbane Bar in Turin

In einem Gebäude im Zentrum von Turin, mit Blick auf einen zurückgezogenen Stadtgarten, hat Fabio Fantolino mit der Lève Office Bar einen Ort geschaffen, der sich zwischen Arbeitswelt und Bar-Kultur bewegt. Das Projekt versteht sich weniger als klassische Hospitality-Adresse, sondern als räumliche Erzählung über Transformation – vom Tagesraum zum abendlichen Treffpunkt.

Der Ausgangspunkt ist das Büro als Bildwelt. Besonders die 1960er-Jahre dienen als Referenzrahmen, eine Zeit, in der Arbeitsräume stärker als heute über Materialität, Präzision und visuelle Ordnung definiert waren. Fantolino übersetzt diese Idee in eine zeitgenössische Sprache aus Chrom, Edelstahl, Spiegeloberflächen und farblich akzentuierten Flächen.

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Der erste Raum wird von einer langen Theke aus Edelstahl geprägt, die sich entlang der gesamten Raumlänge zieht und im hinteren Bereich in tiefrot emaillierte Flächen übergeht. Tagsüber wirkt sie als ruhige, fast sachliche Arbeits- und Begegnungsfläche, am Abend transformiert sie sich in eine präzise inszenierte Cocktailstation. Der Boden in warmem Ziegel-Herringbone setzt dazu einen bewusst haptischen Gegenpol und bricht die Kühle der reflektierenden Materialien mit einem fast wohnlichen Moment.

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©Luca Argenton.

Im zweiten, doppelt hohen Raum verdichtet sich der Bezug zur Bürotypologie deutlicher. Edelstahl, Chrom und Spiegel treffen hier auf Holz und Leder, wodurch eine kontrollierte Spannung zwischen Distanz und Wärme entsteht. Ein durchgehender grüner Kunstharzboden fasst die Fläche als einheitliches Farbfeld zusammen und gibt dem Raum eine klare visuelle Identität, die sich wie eine ruhige Konstante durch die verschiedenen Ebenen zieht.

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©Luca Argenton.

Die obere Ebene interpretiert das Thema schließlich stärker sozialräumlich. Kleine Sitzinseln mit Leder- und Bouclé-Elementen strukturieren den offenen Grundriss und erinnern in ihrer Anordnung an die Logik früher Open-Space-Büros, ohne diese wörtlich zu übernehmen. Eine rot gefasste Holz- und Laminatvertäfelung mit feinen Metallprofilen rahmt den Raum und erzeugt einen rhythmischen Hintergrund, der die Möbelgruppen wie lose gesetzte Elemente eines größeren Systems wirken lässt.

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©Luca Argenton.

Auch die Lichtgestaltung ist wichtiger Bestandteil dieser architektonischen Ordnung. Im zweigeschossigen Raum spannt sich eine leuchtende Rasterstruktur über die Decke des unteren Bereichs und verstärkt die Beziehung zu den reflektierenden Oberflächen darunter. Im oberen Geschoss setzen pendelnde Leuchten im Retro-Charakter eine rhythmische Taktung entlang der Sitzanordnung. Ergänzt wird das Lichtkonzept durch gezielt eingesetzte Designleuchten: an der Theke die Ipoli 06 von Lambert & Fils als grafischer Akzent, im Kassenbereich die Maija von Santa & Cole mit weicher, atmosphärischer Wirkung sowie die Ipoli 01 von Lambert & Fils als verbindendes Element innerhalb des Gesamtsystems.

leve-officebar/Instagram