Drei Ausstellungen – in Marseille, Arles und in Baden-Baden – feiern herausragende Kreative, die mit kraftvollen und meditativen Tönen färben, pinseln, drucken und knautschen.
MEISTERWERKE IM KNITTERLOOK

Explosiv, experimentell, wandfüllend: Simon Hantaïs (1922–2008) erste große Schau in einem deutschen Museum seit mehr als 25 Jahren ist ein Fest der Farben. Von der Strömung Informel und Jackson Pollock beeinflusst, startet der ungarisch-französische Maler ab 1960 ein künstlerisches Abenteuer: Mittels der Pliage-Technik faltet, knittert und verknotet er Leinwände, bestreicht sie mit Öl- oder Acrylfarbe und glättet sie anschließend. So entstehen zufällige Abstraktionen in teils gigantischen Ausmaßen und leuchtenden Sommertönen – die in der lichtdurchfluteten Architektur des Museums maximal strahlen.
ENTFALTUNG DER FARBE. SIMON HANTAÏ Museum Frieder Burda, Baden-Baden, bis 10.01.2027.
museum-frieder-burda.de
FRECH ADAPTIERT

Unzählige Museumsbesuche, sagt die Chinesin Chunqing Huang, seien »schuld« an ihrer Idee. Stunden, die sie vor Gemälden der Blauen Reiter – Gabriele Münter, Franz Marc, August Macke – und des Brücke-Malers Ernst Ludwig Kirchner verbrachte. Denn irgendwann hätten sich deren expressive Motive so stark in ihr Gedächtnis eingenistet, dass sie beschlossen habe, sie auf ihre Weise zu interpretieren. So entstehen Serien sogenannter Portraits, auf denen sie aus der Erinnerung und intuitiv das Wesen der berühmten Modernisten in ihrer eigenen, gestisch-abstrakten Malweise einfängt. Die aktuelle Schau eint rund 70 Arbeiten der Wahl-Frankfurterin, die ihren zeitgenössischen Blick auf August Macke und den Expressionismus zeigen.
CHUNQING HUANG: REFLECTIONS Museum August Macke Haus, Bonn, bis 31.01.2027.
august-macke-haus.de
IM DIALOG MIT LICHT UND WIND

Es ist still, heiß und trocken im ehemaligen Hospiz Centre de la Vieille Charité. Nur ein leises »Flap-Flap« ist zu hören, wenn der Wind mit den Textilien in den barocken Arkaden spielt. »Der Ort entwickelte sich allmählich zu einer Art Erweiterung meines Ateliers«, so Adrien Vescovi. Für sein Monumentalwerk in seiner Heimatstadt färbte er 648 Leinen- und Baumwolllaken aus Aussteuerbeständen mit Naturpigmenten in 300 Nuancen. Ein meditatives Œuvre zum Hindurchstreifen und Abtauchen, auf dem Sonne, Regen und Küstenwind auch im Herbst und Winter ihre Spuren hinterlassen werden.