Wenn es um Farben und Formen geht, folgen Florian Vogel und Carolin Kreidel alias Victor Foxtrot demselben Gespür. So entstehen ihre unverwechselbaren Möbel.
Es ist heiß an diesem Julitag. Durch die offene Ateliertür auf dem Industrieareal im Hamburger Westen dringt kaum ein Lüftchen. Trotzdem steht Florian Vogel in Overall und Schutzhandschuhen in seiner Metallwerkstatt, klappt das Helmvisier herunter und lässt die Funken sprühen. Vor ihm stehen Dutzende Leuchtenfüße des Bestsellers All Round im Rohzustand zum Schweißen, Löten und Schleifen bereit – Tätigkeiten, die er schon während seiner Zeit bei Lichtdesigner Ingo Maurer erlernte, bevor er 2015 das Label Victor Foxtrot gründete.

Im Raum nebenan bietet sich ein ganz anderes Bild. Neonorange Metallstreben, dünn wie Flamingobeine, stützen die Marmorplatte der Tafel Same Same. Auf einem runden Tisch mit zylindrischem Sockel in Grüntönen leuchtet eine grün-weiß-gold geäderte Quarzitplatte und auf einer Konsole strahlen in Knallgelb, Rot und Blau drei fertige Exemplare jener Leuchtenfamilie, der Florian in der Werkstatt gerade Nachwuchs beschert. Nur der feine Metallstaub auf dem Boden erinnert hier an seinen Kraftakt.

Von einer Schreibtischempore aus blickt seine Schwägerin Carolin Kreidel auf die farbenfrohe Szenerie. Sie ist die zweite Hälfte der Möbelmarke, quasi die Frontfrau im Hintergrund: Die frühere Brandmanagerin von Iris von Arnim erdenkt Markenstrategien und sucht nach (möglichst lokalen) Manufakturen, die den hohen handwerklichen Ansprüchen des Duos gerecht werden: eine makellose Pulverbeschichtung etwa, farblich perfekt passende Textilkabel oder das Aufbringen der Goldfolie in den Schirmen. Rund 15 Zulieferer dirigiert sie für die wachsende Objektfamilie.

»Die Leidenschaft für klare Farben und präzise, manuell gefertigte Möbel liegt wohl in der Familie«, erklärt Carolin und lacht, während sie frischen Espresso aufbrüht. »Wir haben schnell gemerkt, dass wir uns total gut ergänzen: Florian denkt in Proportionen und Formen, ich in Konzepten, Räumen und Farben.« So entstand auch der außergewöhnliche U Turn-Tisch. »Die Form hat sich aus dem My Ami-Sideboard herausgemorpht«, sagt Carolin. Tatsächlich scheint der wie aus runden Bauklötzen aufgestapelte Fuß des Tisches in die Cut-outs der Konsole zu passen, wie eine Schraube ins Bohrloch. »Solche Details machen unsere DNA aus«, ergänzt sie und wäscht Salat in der Studioküche.

Heute ist sie an der Reihe, einen Lunch für das siebenköpfige Team zuzubereiten. Und woher kommt nun der ungewöhnliche Markenname? Der ist nicht, wie man vermuten könnte, Florians Lieblingstanz geschuldet, sondern einem Geschenk seiner Frau: Manschettenknöpfe mit seinen Initialen – die im Flaggenalphabet für »Foxtrot« und »Victor« stehen.