In der alten Pariser Börse illustrieren Meisterwerke aus der beeindruckenden Sammlung des Milliardärs François Pinault 200 Jahre Fotografiegeschichte.
Ein Rundgang durch die Schau gleicht einem Treffen mit alten Bekannten: Man begegnet der kostümierten Cindy Sherman, dem Model Dovima, das Richard Avedon zwischen Elefanten ablichtete, Helmut Newtons langbeinigen Big Nudes und Zanele Muholis nachgeschwärztem Porträt. Doch besonders lohnt es, die Geschichten hinter den vermeintlich vertrauten Bildern zu entdecken. Die blasse Aufnahme zweier Männer am Fluss von Fotopionier Richard Fenton etwa war bereits 1854 »gestaged«.

Werner Bischofs Bild eines Kindes mit Flöte in Peru fand man in seiner letzten Filmrolle, weil er auf der Reise bei einem Autounfall starb. »Schier unglaublich ist auch die Story hinter Annie Leibovitz’ ikonischem Porträt von Yoko Ono und dem nackten John Lennon in Fötusstellung. Es entstand fünf Stunden, bevor er erschossen wurde«, sagt Matthieu Humery, Chef der Fotoabteilung. Zum Jubiläum des Mediums wählte er 700 aus der rund 8000 Prints umfassenden Sammlung des Mäzens aus, von frühsten Experimenten bis hin zu zeitgenössischen Arbeiten. Was dabei auffällt: Auf vielen Motiven spielen Hände eine Rolle.

Das hätte mit den ländlichen Wurzeln Pinaults zu tun, der mit 15 die Schule verließ, um im Holzhandel des Vaters zu arbeiten, so Humery. Vielleicht zählt deshalb Dorothea Langes Migrant Mother zu Pinaults Lieblingsbildern. Der Blick der Mutter ist zentral, doch bei genauem Hinsehen sind ihre Hände, die ihr Gesicht berühren, ebenso bedeutsam.