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Kunstintervention in Venedig: Besuch auf der schwimmenden Baum-Skulptur von Klaus Littmann

Was wurde nicht schon alles über Venedigs Kanäle geschippert: ein pinkfarbener Pudel von Jeff Koons, zwei weiße Riesenhände von Lorenzo Quinn, die den Palazzo des Luxushotels «Ca‘ Sagredo» zu stützen scheinen, und jüngst der Schlafwagen eines Luxuszuges, den der Künstler JR verkleidet hatte.

Und nun, zum Biennale-Auftakt Ende April, zog ein Kutter mit Krahn eine sieben Meter hohe, hölzerne Arena hinter sich her in deren Mitte ein Baum aufragt. Organisiert hat dieses Happening der Künstler Klaus Littmann aus Basel, der sich auf ausgefallene Projekte im öffentlichen Raum spezialisiert hat.

Arena for a Tree on the way from Marghera passing San Marco to Arsenale Venice 03
Arena for a Tree.
(Foto Credits: Federico Vespignani)

Vor der Kulisse des historischen Arsenale Nord erhebt sich seine temporäre Installation Arena für einen Baum (Arena for a Tree) wie eine Arche mit einem einzigen Protagonisten in ihrer Mitte: einer Bald Cypress (Taxodium distichum). Aus der Ferne sieht die Installation wie eine keimende Samenkapsel aus. Aus der Nähe ist sie zugleich Skulptur, Architektur und Podium: Die Tribüne, per Gangway erreichbar, bietet maximal 50 Personen eine ideale Aussicht auf den Baum, seine Äste, Nadeln und Wurzeln, die in ein Wasserbecken eingetaucht sind.

Bild von Klaus Littmann
Klaus Littmann.
(Foto Credits: Federico Vespignani)

Doch natürlich soll die Inszenierung mehr sein, als nur ein Ort der Kontemplation inmitten des quirligen Kunstkarussells der Venedig Biennale. Sie soll vor allem eine eingängige Botschaft über den Klimawandel vermitteln: Über lange geologische Epochen hinweg war die Zypresse in verschiedenen Regionen der Welt heimisch. Während sie aktuell hauptsächlich in Zentral- und Südamerika gedeiht, könnte sie auf Grund der globalen Erwärmung auch in Europa Fuß fassen. Denn robust und widerstandsfähig passt sich der Baum einer Vielzahl von Bodentypen an, ob nass, salzig, trocken oder sumpfig.

Arena for a Tree on the way from Marghera passing San Marco to Arsenale Venice 02
Arena for a Tree.
(Foto Credits: Federico Vespignani)

»Der Bald Cypress hat eine außergewöhnliche Fähigkeit, bis zu 800 Liter Hochwasser pro Tag zu pumpen, die umgebende Atmosphäre zu kühlen, Stürme zu überstehen und extremen Temperaturen zu trotzen. Das macht ihn besonders widerstandsfähig gegen den Klimawandel und andere Herausforderungen, denen insbesondere Venedig gegenübersteht«, sagt Landschaftsarchitekt Enzo Enea, der mit Klaus Littmann zusammenarbeitet. »Der Baum ist Zeichen des Lebens, Stellvertreter für die Vielfalt der Arten und Zeuge für die Verletzlichkeit des Ökosystems«, ergänzt der Künstler.

Zu guter Letzt ist das Kunstwerk aber auch einfach nur angenehmer Schattenspender oder Landeplatz für Vögel und Insekten, ein kleines, temporäres Naturschutzgebiet in der Weite der Lagune.

Bis 31. Juli 2024

klauslittmann.com
enea.ch
kbhg.ch

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