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Yinka Shonibare: Suspended States

Neue Arbeiten des renommierten Künstlers in der Londoner Serpentine Gallery.

Yinka Shonibare
Yinka Shonibare CBE RA.
(Foto Credits: Tom Jamieson).

Queen Victoria und Winston Churchill stehen einem in herrschaftlicher Pose gegenüber, sind aber vom Scheitel bis zur Sohle mit farbenfrohen Wachs-Druck-Mustern bemalt. Mit den munteren all over Prints hebt der britisch-nigerianische Künstler die Autoritätspersonen von ihrem Sockel – und fragt, ob derartige Skulpturen im öffentlichen Raum noch zeitgemäß sind.

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Yinka Shonibare: Suspended States.
Serpentine South Gallery, London 2024.

Die bunten Wax Prints sind Erkennungszeichen Shonibares. Auch in seiner Soloschau »Suspended States« in der Serpentine Gallery, dessen künstlerischer Direktor der ominpresente Hans-Ulrich Obrist ist, sind die Muster allgegenwärtig. Die Textilien sind von indonesischen Batiken inspiriert, wurden ursprünglich in Holland massenproduziert und in britische Kolonien nach Afrika verkauft. Shonibare, der wegen einer Viruserkrankung seit seiner Jugend im Rollstuhl sitzt, nutzt sie als Symbole, um die verworrenen Verbindungen zwischen westlichen Nationen und Afrika zu illustrieren. Dabei drehen sich seine neuen  Arbeiten – Skulpturen, Holzschnitte und raumgreifende Installationen um Themen wie politische Konflikte und die damit verbundenen Fluchtbewegungen, um Migration und um Schutz.

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Yinka Shonibare: Suspended States.
Serpentine South Gallery, London 2024.

»Mein Werk hat sich immer mit Grenzüberschreitungen beschäftigt geografisch, historisch und konzeptionell«, so der Künstler, der 2009 zum Commander of the British Empire, kurz CBE, ernannt wurde – einen Zusatz, den er stolz hinter seinem Namen trägt. »In dieser Schau wird die westliche Ikonographie hinterfragt, zu einem Zeitpunkt, in dem Nationalismus, Protektionismus und Fremdenfeindlichkeit auf dem Vormarsch sind.«

Faszinierend (und nebenbei very instagramable) ist die War Library, ein Raum, bestückt mit rund 5000 in Wax Print-Stoffe gebundene Bücher mit goldenen Lettern auf ihren Rücken, die auf Konflikte, ebenso wie auf Friedensverträge hindeuten.

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Yinka Shonibare: Suspended States
Serpentine South Gallery, London 2024.
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Yinka Shonibare: Suspended States
Serpentine South Gallery, London 2024.

Am eindrucksvollsten ist jedoch die Wirkung seiner neuen Arbeit Sanctuary City (2024) in einem abgedunkelten Raum. Dort steht man inmitten von Gebäude-Miniaturen mit schwarz bemalten Fassaden, die er innen mit bunten Wax-Prints ausgekleidet und sanft beleuchtet hat. Erfährt man jedoch den wahren Hintergrund der Bauwerke, schwindet die vermeintlich visuelle Schönheit des Werks: da stehen Bauten wie das Hotel des Mille Collins in Kigali, das 1994 während des Völkermords in Ruanda mehr als 1200 Menschen Zuflucht und damit die Rettung vor dem sicheren Tod bot, oder auch eine chinesische Methodisten-Kirche in Hong Kong – alles Orte, in denen Menschen vor feindlichen Angriffen Schutz gesucht haben.

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Yinka Shonibare: Suspended States.
Serpentine South Gallery, London 2024.

In Nigeria, in Lagos und Ijebu, übrigens hat Shonibare im Mai 2022 ein Farmgelände mit Ateliers für Künstler und Designer eröffnet, auch um das Bewusstsein für nachhaltige Landwirtschaft zu fördern. Das ist gerade für Nigeria von großer Bedeutung, das besonders viele Nahrungsmittel aus dem Ausland importiert.

Yinka Shonibare CBE RA zeigt zeitgleich neue Arbeiten im nigerianischen Pavillon auf der 60. Kunstbiennale von Venedig.

Yinka Shonibare CBE – Suspended States

Serpentine South, Kensington Gardens, London

Bis 1. September 2024

serpentinegalleries.org

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