Was hier so idyllisch vor sich hin blüht und welkt, ist das Ergebnis eines akribischen und langwierigen Fotoshootings. Der britische Starfotograf Nick Knight, der sich durch seine aufwendigen Modesessions einen Namen gemacht hat, setzt privat besonders extravagante Models in Szene.
Nick Knight, bekannt geworden durch Fotos von Skinheads und berühmt geworden durch Modefotos vor allem für Alexander McQueen, John Galliano und Yamamoto, lebt privat im beschaulichen Londoner Stadtteil Richmond auf halbem Weg zwischen City und dem Flughafen Heathrow.
Richmond ist eine grüne Oase in der Metropole, wie der Fotograf freudig berichtet, und der Blick auf den Stadtplan bestätigt diese Einschätzung. Quasi eine mäßig üppige Ansammlung von Häusern zwischen den beiden Naherholungsgebieten Royal Botanic Gardens, Kew, und Richmond Park.
An seinem Haus, ein Frühwerk von Stararchitekt David Chipperfield, liebt Knight besonders seinen Garten und darin besonders seine Rosen: Sie sind seine Passion. Aber nicht nur ihre Züchtung, mehr noch die fotografische Dokumentation.

Sein diesbezüglicher Erweckungsmoment ereignet sich bei einer Ausstellung im Natural History Museum, wo ihn die Kraft und Stärke einer Eiche beeindruckt. Und er bewundert die Abbildungen von Rosen. »Sie besetzen einen poetischen Platz in der Natur. Sie sind Symbol für die Liebe. Und Symbol für den Tod.«
Wieder zu Hause, begibt er sich in den Garten und schneidet ein paar Zweige ab, die er in einer kleinen Vase auf dem Küchentisch arrangiert. Stundenlang sitzt er davor, ändert hier eine Nuance, dreht die Vase mal nach rechts, mal nach links, vertieft sich in das neue Objekt seiner Begierde.

Hier am Küchentisch hat er »beautiful daylight«; vor allem das Licht vormittags zwischen 10 und 13 Uhr ist sehr vorteilhaft für die Blumen. Drei bis vier Stunden sitzt er da, fast regungslos, wie auf der Lauer nach dem perfekten Moment. Manchmal nimmt er minimale Veränderungen am Setting vor. Wenn es so weit ist, fängt er schon mal spontan mit dem iPhone den perfekten Zeitpunkt ein.
»Ich liebe es, in so einer Zen-Atmosphäre zu arbeiten. Mich drei bis vier Stunden auf ein Objekt zu konzentrieren. Kein Model, kein Artdirector. Nur ich und die Rosen«, sagt Knight.

Und wenn er erst mal anfängt, über seine Rosenbilder zu sprechen, ist er kaum noch zu stoppen. »Es ist faszinierend, wie wichtig minimale Veränderungen der Position sein können. Manchmal sind es nur wenige Zentimeter.«
Seine heimatlichen Naturstudien sind für ihn eine »meditative emotionale Session. Aber auch ein Kampf mit Komposition und Farbwirkung.«
Knights Blumenporträts sind nach eigener Einschätzung »Bilder in der Tradition der alten Meister, der niederländischen Blumenbilder des 17. Jahrhunderts.« Jedenfalls empfindet er sie als eine Referenz zu den berühmten Werken.
Die Rose nimmt dabei als metaphorisch aufgeladene Blume einen besonderen Platz in seiner Naturdokumentation ein. »Sie steht für Liebe, aber auch für ein gebrochenes Herz. Rosen sind auch irgendwie traurige Blumen. Sie veranschaulichen besonders intensiv die Vergänglichkeit von Schönheit.«