Angel Otero zeigt seine erste europäische Einzelausstellung in Somerset

Er gehört zu den spannendsten Stimmen der zeitgenössischen Malerei: Angel Otero. Im Rahmen seiner Artist Residency in Somerset werden die Arbeiten des Puerto Ricaners zum ersten Mal in einer europäischen Einzelausstellung gezeigt – großformatige Gemälde aus collagierten Farb- und Erinnerungsspuren.

Der Geruch von Öl, Lösungsmitteln und feuchtem Holz durchdringt das Atelier von Hauser & Wirth, einer international renommierten Kunstgalerie im englischen Somerset. Auf dem Boden liegen getrocknete Farbreste, entlang der Wände stehen monumentale Formate, manche davon nur halb bearbeitet, andere bereits von dichten Schichten überzogen.

Angel Otero steht mitten darin: Cap, kurzärmeliger Overall, der die Tattoos auf seinem rechten Unterarm freilegt, in der Hand einen Kaffee. »Bevor der Tag beginnt, halte ich inne und genieße die Ruhe im Studio«, sagt er. »Aber sobald mein Team eintrifft, läuft Musik. Bossa Nova zum Beispiel hat eine besondere Sehnsucht in sich, eine Nostalgie, die nicht unbedingt traurig ist. Das ist nicht weit entfernt von dem, was ich mit meiner Kunst mache, in der Dinge aus meiner Vergangenheit ins Heute zurückschweben.«

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Emotionale Möblierung: Klaviere, Uhren und Schränke bevölkern oft Angel Oteros Werke – sie drohen von den aufgewühlten Wellen verschlungen zu werden. In der Ausstellung Agua Salada (Salzwasser) geht es immer wieder um das Meer – auch als Verweis auf die Kindheit des Künstlers in Puerto Rico.

Der 44-Jährige, geboren in San Juan, Puerto Rico, zählt zu den eigenständigsten Positionen der zeitgenössischen Kunst. Seine Arbeiten befinden sich schon in den Sammlungen des Solomon R. Guggenheim Museum, des Museum of Contemporary Art Chicago, des Long Museum in Shanghai und des Istanbul Modern. Im Rahmen seiner Artist Residency bei Hauser & Wirth werden sie nun erstmals in dieser Konzentration in Europa gezeigt.

Unter der Oberfläche

Charakteristisch für Angel Oteros Praxis ist die Technik des Ablösens und erneuten Arrangierens sogenannter »Paint Skins«. Mit Ölfarbe, die auf Glas geschichtet und im halb getrockneten Zustand abgezogen wird, komponiert er seine zerknitterten »Häute« auf Leinwand – eine Verschmelzung von Collage und Skulptur innerhalb der Malerei, aus der immer wieder neue Bildräume und Muster entstehen.

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Die wie ein visuelles Archiv arrangierten Bildausschnitte bilden die Grundlage für die collageartigen Kompositionen des puerto-ricanischen Künstlers.© © CLARE WALSH/COURTESY OF ANGEL OTERO AND HAUSER & WIRTH, KEN ADLARD

»Vieles, was ich tue, ist intuitiv und impulsiv. Mein Prozess verlangt das fast«, sagt der Maler. »Sobald ich die Häute abkratze und über die Fläche bewege, entwickelt diese ein Eigenleben, das keine Skizze hätte vorhersagen können.« Die bearbeiteten Oberflächen werden zum Ausdruck innerer Spannungen und führen immer wieder in die eigene Vergangenheit: die enge Bindung zur Großmutter, bei der er aufwuchs, oder das spätere Zusammenleben von Vater und Großvater in einem gemeinsamen Haus – »La Casita«, ein Ort, der sich bei ihm als emotionales Archiv aus Räumen, Objekten und Atmosphären eingeprägt hat. Klaviere, Stühle, Uhren, Krabben und der Ozean kehren darin als leitmotivische Elemente zurück.

Zwischen zwei Welten

Das Thema Meer zieht sich wie ein roter Faden durch sein aktuelles Werk. Auch der Ausstellungstitel verweist darauf: Agua Salada. Salzwasser als Metapher für Herkunft, Verlust und Heilung. Viele seiner semiabstrakten Gemälde wirken so, als seien sie vom Wasser geformt – fließend, porös, ständig in Bewegung.

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Mit Dreams and Salt realisiert Angel Otero seine erste Arbeit im öffentlichen Raum: eine in den Boden eingelassene Tür, die zwischen Erinnerung, Übergang und verborgenem Raum oszilliert.© COURTESY OF ANGEL OTERO AND HAUSER & WIRTH.

Heute lebt und arbeitet Angel Otero, der als 16-Jähriger in die USA zog und später am School of the Art Institute of Chicago studierte, in New York City und Puerto Rico. Zwei Orte, die seine Kunst auf ganz unterschiedliche Weise prägen: dort die Energie der Metropole, hier die familiäre Nähe und das Licht der Karibik. Kindheit, Häuser, Innenräume, puerto-ricanische Identität und Diaspora bilden die Grundlage seiner Bildwelten.

In Somerset erweitert Otero seine Praxis erstmals deutlicher ins Räumliche. Neben großformatigen Arbeiten sind auch filmische Elemente zu sehen, die seine Beschäftigung mit den eigenen Wurzeln und Transformation fortführen. Die blaue Tür seines Werks Dreams and Salt, flach im Außenraum liegend, wird dabei selbst zum Symbol von Aufbruch und Rückkehr.

Am Abend, bevor seine Arbeiten das Atelier für eine Ausstellung verlassen, verbringt Angel Otero traditionell die Nacht mit ihnen. »Ich öffne eine Flasche Wein, lege Musik auf, feiere sie und zolle ihnen Respekt.«

ANGEL OTERO.
AGUA SALADA.
Hauser & Wirth,
Somerset,
bis 18.10.2026.
hauserwirth.com