In dieser Ausgabe des Publishers Little Black Book nimmt unser Verleger Christian Peters Sie mit nach New York – genauer gesagt nach Chelsea, jenes Viertel zwischen West 18th und West 30th Street, das seit den 1990er-Jahren das pulsierende Herz der internationalen Kunstwelt ist.
In wenigen Häuserblocks reihen sich hier die wichtigsten Galerien der Welt aneinander, und in diesem Frühling kommt es zu einer ganz besonderen Konstellation: Drei der bedeutendsten lebenden Künstler unserer Zeit zeigen gleichzeitig neue Werke. Die folgenden Empfehlungen sind ganz persönliche Tipps aus meinem kleinen schwarzen Buch – drei Ausstellungen, die man im Frühling und Sommer 2026 in New York nicht verpassen sollte.
Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen – und falls Sie ohnehin nach New York reisen, machen Sie unbedingt einen Tag frei für einen Galerien-Spaziergang durch Chelsea. Die drei Häuser liegen so nah beieinander, dass man sie bequem zu Fuß an einem Nachmittag erleben kann.
Alle diese kleinen Erfahrungen teile ich mit meinen Freunden und jetzt auch mit Ihnen.
P A C E G A L L E R Y
Julian Schnabel

»Italy Through Its Trees« – Schnabels erste Ausstellung dieses Jahres bei Pace zeigt eine neue, betörende Werkgruppe, die im Sommer 2025 in der Toskana und während der Dreharbeiten zu seinem Film »In the Hand of Dante« in Rom entstand. Inspirationsquelle: die ikonische italienische Schirmkiefer, Pinus pinea, jene majestätischen Bäume, die rund um die Villa Borghese den Himmel auffalten.
Zu sehen sind seine berühmten »Plate Paintings« – Werke auf zerbrochenem Porzellan – sowie großformatige »Map Drawings«. Schnabel entdeckt im verzweigten Wuchs der Pinien eine eigene Sprache der Form. Eine zärtliche, malerische Liebeserklärung an Italien und die Natur.
→ 540 West 25th Street, Chelsea
pacegallery.com
D A V I D Z W I R N E R
Gerhard Richter

»Landschaften« – Eine museumswürdige Schau, die Richters fotorealistische Landschaftsbilder aus sechs Jahrzehnten erstmals in direkten Dialog mit seinen Abstrakten Bildern (1976–2017) bringt. Die Werke stammen aus bedeutenden Privatsammlungen, Museen und aus Richters eigener Sammlung – einige waren zuletzt in der gefeierten Retrospektive der Fondation Louis Vuitton in Paris zu sehen.
Richter selbst hat einmal gesagt, seine Abstrakten Bilder zeigten seine Realität, die Landschaften jedoch seine Sehnsucht. Diese Ausstellung macht jenen Dialog zwischen den beiden Polen seines Werks erfahrbar – und ist für mich der unbestrittene Höhepunkt des Chelsea-Frühlings.
→ 537 West 20th Street, Chelsea · 7. Mai – 10. Juli 2026
davidzwirner.com
G A G O SI A N

»Seal My Ears Shut and I Shall Hear You Still« – Kiefers neue Werkgruppe ist von Rainer Maria Rilke, Caspar David Friedrich und weiblichen Gestalten der klassischen Mythologie inspiriert.
Die monumentalen Gemälde entstehen aus Öl, Acryl, Emulsion, Schellack, Blattgold und Sedimenten der Elektrolyse – jenem tiefen, grünschimmernden Niederschlag, der durch elektrischen Strom in einer Lösung aus Kupfer und Salzen entsteht. Alchemie, deutsche Romantik und Mythos in zeitgenössischer Sprache. Bei Kiefer wird Materie selbst zur Erzählung.
→ 541 West 24th Street, Chelsea · 15. Mai – 27. Juni 2026