Zum runden Geburtstag des dänischen Design-Revoluzzers Verner Panton erscheinen viele seiner Ikonen in limitierten Editionen und neuen Tönen.
Als Verner Panton 1966 an seinem berühmtesten Entwurf werkelte, winkten die Produktionsfirmen, die er besuchte, reihenweise ab.
»Kunststoff war etwas, das man für Putzeimer verwendete«, kommentierte seine Frau Marianne Panton später den anfänglichen Misserfolg einer der größten Designikonen des 20. Jahrhunderts – den Panton-Chair, einen Freischwinger aus einem einzigen Stück Polymer.
In der Nachkriegszeit galt Plastik zwar längst als praktisch, aber noch lange nicht als chic. Außerdem gab es berechtigtes Misstrauen, ob die biegsame Verfestigung von Erdöl in einer S-Form wirklich stabil sein könne.
Als Vitra-Chef Rolf Fehlbaum den Prototyp auf der Terrasse der Pantons entdeckte, die mittlerweile in Basel lebten, stellte er sich der Herausforderung. Zusammen mit dem Gestalter experimentierte er einige Jahre mit Kunststoffen, bis der sinnliche Monoblock 1967 Serienreife erlangte.

In der Folge revolutionierte der Entwurf das Wohndesign nicht nur durch Material und Form, sondern auch durch Farbe. In Gelb, Rot, Blau und Grün kam die erste Serie auf den Markt. Und mit diesen Hinguckern definierte Verner Panton, der ursprünglich Farbpsychologe werden wollte, jene Atmosphäre der Unbeschwertheit, die bis heute als exemplarisch für die bunten 60er und 70er gilt.
Anlässlich seines 100. Geburtstags werden nun viele seiner fröhlichen Möbel, Leuchten und Wohnlandschaften in Sondereditionen und -farben herausgebracht. Denn obwohl ein paar Klassiker aus seiner Feder seit ihrer Entstehung nahezu ununterbrochen produziert wurden, brauchten seine starkfarbigen Designs spezielle Epochen der Offenheit, um Nachfrage zu erzeugen.


Die mutigen Kombinationen von Rot, Orange, Lila und Blau etwa, die seine Teppichentwürfe Romantica, Domino und Mono prägen, rückt die Firma Amini nun in den Fokus. Dem Bestseller Flowerpot schenkt &tradition drei neue Farben (Steel Blue, Ivory und Zesty Orange). Und Vitra selbst lanciert Pantons »Tütenstühle« in gedeckteren Textilien.
In Abstimmung mit der Verner Panton-Stiftung und seiner Tochter Carin werden die Cone Chairs, aber auch Polstermöbel wie Visiona Stool und Amoebe und seine vielleicht spektakulärste Kreation, der Living Tower, mit neuen Stofffarben und Ledern interpretiert.

Wie der Querschnitt durch eine Pop-Art-Höhle wirkt die Raumskulptur, mit der Panton 1970 die lavalampenartige Lümmellandschaft Visiona II in Köln schuf. Fürs experimentierfreudige Leben gibt es sie jetzt in 13 Farben.

In der Jubiläumsausstellung zu Ehren Pantons im Vitra Schaudepot wird eine 1:1-Rekonstruktion der legendären Fantasy Landscape erlebbar. Und das Kunstgewerbemuseum Berlin beweist mit 100 Exponaten des Genies sein bedingungsloses Bekenntnis zum Fortschritt.