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Genuss als Gesamtkunstwerk

Deutschlands wohl ungewöhnlichstes Sternerestaurant 100/200 Kitchen feiert Jubiläum!

Getreu dem Motto »Es muss anders werden, wenn es besser werden soll« eröffneten der Spitzenkoch Thomas Imbusch und die preisgekrönte Sommelière Sophie Lehmann vor fünf Jahren mitten in Hamburgs Industriegebiet ihr eigenes Restaurant – und erhielten bereits nach sechs Monaten den ersten Michelin-Stern, der zweite folgte 2022. Doch was – neben der ungewöhnlichen Lage – unterscheidet das 100/200 kitchen von anderen Adressen der gehobenen Gastronomie? So ziemlich alles!

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Thomas Imbusch, 100/ 200 Küche
(Foto Credits: René Flindt)
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Sophie Lehmann und Thomas Imbusch
(Foto Credits: René Flindt)

Es beginnt schon mit dem Namen, der sich auf die Gradzahlen bezieht, bei denen Wasser kocht und der Backofen läuft. Apropos: Herzstück der loftartigen Location, die die Besucher:innen per Fahrstuhl betreten, ist der mächtige Gas-Hightechherd von Molteni in der 130 Quadratmeter großen Küche – die Bühne von Thomas Imbusch und seinem Team. Sie kreieren vor bis zu 38 Gästen mit konzentrierter Gelassenheit das jeweilige Menü der Saison. 

100/ 200 Kitchen Team (Foto Credits: René Flindt)

»Bei mir wird gegessen, was auf den Tisch kommt«, sagt Thomas Imbusch, der sein Handwerk vom 3-Sterne-Koch Christian Bau und die Inszenierung von TV-Star Tim Mälzer gelernt hat. Statt einer Speisekarte gibt es lediglich ein Thema, wie »Wasser & Salz« im Sommer oder »Feuer und Rauch« im Winter. Noch bis Mitte Oktober geht’s rein vegetarisch auf Genussreise und so manch einer wundert sich, welch intensive Geschmackserlebnisse Pilze und Erbsen oder Gurke und Rose auslösen können – ganz nach der selbst ernannten Gastrosophie: »In der Einfachheit steckt die Komplexität«.

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(Foto Credits: René Flindt)
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(Foto Credits: René Flindt)

Ungewöhnliche Wege gehen der 35-Jährige und seine Partnerin auch in unternehmerischer Hinsicht: Wie bei einem hochkarätigen Kulturevent, muss das Menü vorab verbindlich gebucht und bezahlt werden. Das hierzulande kaum gebräuchliche, aber international gängige Ticketsystem garantiert nicht nur einen Platz an einem der elf begehrten Tische (mit einmaligem Blick über den Elblauf), sondern macht echte Nachhaltigkeit erst möglich. Schließlich werden keine zusätzlichen Waren eingekauft. Dass das »100/200« auch den Grünen Michelin-Stern erhielt, hat noch weitere Gründe: Tiere werden vollständig verarbeitet und sämtliche Gemüse- und Obstarten gibt es nur, wenn sie Saison haben.  

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(Foto Credits: René Flindt)
100/ 200 Kitchen
(Foto Credits: René Flindt)

Seit neuestem besteht die Möglichkeit, zu bestimmten Zeiten im dafür reservierten Bereich auf der Empore à la carte zu bestellen. Wem zudem die rund dutzend Gänge zu reichlich sind, kann ein kleines Menü an einem »Stundentisch« auf Barhockern genießen. Auf jeden Fall ein Erlebnis, auch für Hamburger, die zur spannenden Kulinarik eine ebensolche Perspektive auf ihre Stadt geboten bekommen!

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